| Die
Erziehung der Frau zur Kriegerin
von Alexandra Koncar
Einleitung
Viele Mythen erzählen die Geschichte
der mutigen Kriegerin, die sich an der Seite der Männer
oder auch alleine ihrem Schicksal im Kampf stellt. Die Frau
als Kriegerin, nur ein Mythos aus einer fernen Zeit, oder
durchaus ein Weg zur Entfaltung der inneren Fähigkeiten
der Frau? Wie dieser Weg der Kriegerin aussehen könnte,
vor allem wie die Erziehung gestaltet sein könnte,
um die Tugenden einer Kriegerin zu entwickeln, das soll
hier angedacht werden.
Ausgangssituation
Zuerst betrachten wir den "IST-Zustand".
Wie ist sie nun, die Frau des 20. Jahrhunderts? Welche Eigenschaften
trägt sie nach außen und welches Weltbild im
Herzen? Die Emanzipation hat auf dem Papier die Frau mit
dem Mann gleichgestellt. Es gibt neben dem Gleichheitsgrundsatz,
der in den Menschenrechten verankert ist, in Österreich
eine Quotenregelung, die Frauen am Arbeitsplatz die Gleichbehandlung
sichern soll. Die Frau sieht sich durch diese im Vergleich
zum vorigen Jahrhundert gewonnene Freiheit jedoch im Zwiespalt.
Einerseits trägt sich die Sehnsucht der Mutterschaft,
des Heimes und der Familie tief in ihrem Herzen, auf der
anderen Seite steht der Reiz, sich in der Männerwelt
zu behaupten. Manchmal sogar der Wunsch"es ihnen zu
zeigen". Dieser Zwiespalt lässt so manche Frau
zwischen Küche und Chefetage hin und her hetzen. Ein
Philosoph drückte es so aus: "...Frauen wehren
sich dagegen, die Papiere des Vaters in Ordnung zu halten,
tun dies aber für ihren Chef... Frauen haben Probleme,
zu Hause für ihre Familie zu kochen, tun dies aber
im Restaurant für unzählige, die sie gar nicht
kennen..." Wer bei diesem Zwiespalt auf der Strecke
bleibt ist neben den Kindern und dem Partner die Frau selbst.
Wenigen Frauen bleibt die Zeit sich mit sich selbst auseinanderzusetzen.
Herauszufinden welche Stärken, welche Schwächen
sie hat, und welches ihr wahres Wesen ist. Viele Frauen
trachten danach, die Bilder, die die Außenwelt erzeugt,
um jeden Preis zu erfüllen. Doch diese Problematik
der neuen Gesellschaftsordnung ist zu weitläufig, um
sie hier ausführlich zu behandeln. Sehen wir uns das
Bild der Frau in einem sehr meinungsprägenden Medium
an, im Spielfilm: In unzähligen Unterhaltungsfilmen
wird die Frau als wehrlos dargestellt. Nie hat eine Frau
eine Chance sich zu wehren, tut sie es doch, dann ineffizient.
Frauen hindern den Helden bei der Erfüllung seiner
Aufgabe. Frauen sind die Ursache für unzählige
Komplikationen.
Nur wenige Filme zeigen die Frau als Kriegerin. In den letzen
Jahrzehnten sind als Kinoerfolge nur "Terminator 2"
sowie "Blue Steel" zu nennen. Hier sind die Frauen
mutig, agieren mit Intelligenz und ohne Furcht vor dem Tod,
nur das Schicksal erfüllend. Der Film "Mit den
Waffen der Frau", zeigt die Verwandlung einer durchschnittlichen
Vorzimmerdame mit schlechten Gewohnheiten und wenig Selbstvertrauen,
in eine klassische Dame mit Know-how und Durchsetzungskraft.
Sie schafft es am Ende des Films sogar in die Chefetage.
Betrachtet man die Werbeplakate und Werbespots, liest man
auch noch diverse Zeitschriften, zeigt sich das allgemein
verbreitete Bild der Frau des 20. Jahrhunderts. Frauen sind
hier Objekte, die als Aufputz dazu dienen, etwas an den
Konsumenten zu bringen, Gefühle und Bedürfnisse
zu erzeugen. Ideale für Frauen werden hier kaum verkauft
bzw. vermittelt. Die Frau im 20. Jahrhundert ist eine Mixtur
aus den verschiedensten Elementen: Lustobjekt, Hausfrau,
Karrierefrau. Was bleibt, ist der Zwiespalt zwischen Tradition
und den modernen Erwartungen. Dazu kommt noch die psychologische
Labilität, die als solche kaum erkannt wird. Die innere
Zerrissenheit führt zur Verunsicherung. Um der Frau
eine neue Identität auf der Basis des Kriegerin-Seins
zu geben, gilt es die Grundprinzipien der Frau zu verstehen.
Das weibliche Prinzip
a) In der Astrologie
Das Zeichen für Frau ist das Symbol der Venus. Dies
ist bekanntlich ein Kreis über einem Kreuz: Der Geist
steht über der Materie. Das Venusprinzip stellt eine
harmonische Verbindung zwischen den verschiedenen Ebenen
dar, im Symbol eine harmonische Verbindung zwischen den
geistigen (Kreis) und den materiellen (Kreuz) Antrieben
im Menschen. Harmonisches Vereinen der Gegensätze ist
das Ziel dieses Prinzips, ein Ausgleich zwischen Männlichem
und Weiblichem, innen und außen, Geistigem und Physischem.
Venus regiert den Stier und die Waage. Im Stier ist die
gesuchte harmonische Verbindung noch mehr instinktiver Natur,
sie erfolgt über sinnliche Eindrücke. In der Waage
ist die gesuchte harmonische Verbindung mehr geistig-ästhetischer
Natur. Befriedigung im physischen Sinne entspricht also
der Stier- Venus. Sie symbolisiert den Körper mit seinen
Be¬dürfnissen nach Sicherheit, Verwurzelung und
Genuss, die Waage- Venus sucht Be¬friedigung im Kontakt
zu anderen Menschen. Im Symbol der Venus zeigt sich schon
in einem Aspekt das Prinzip Frau. Die Sehnsucht nach Sicherheit
auf der einen Seite und die Suche nach Harmonie andererseits.
Diese beiden Faktoren spielen auch im Kontakt mit anderen
Menschen eine Rolle. Die Ursache für diese Sehnsucht
nach Sicherheit und Harmonie drückt sich im Wunsch
des "Geliebt-Werden-Wollens" aus.
Das zweite Symbol der Frau finden wir in der Jungfrau. Die
Jungfrau hat in ihrer ursprünglichen Bedeutung nichts
mit sexueller Jungfräulichkeit zu tun. "Das Wort
bezieht sich in einem Schlüssel auf eine unverheiratete
Frau, d.h. auf eine Frau, die keinem Mann gehört und
niemandes Ehefrau ist, sie gehört nur sich selbst.
Sie ist weder der Besitz noch das Anhängsel oder die
Ergänzung von irgendeinem anderen Menschen. Es gibt
zahlreiche Jungfrau-Göttinnen in der Mythologie, und
häufig werden sie nicht von einem sterblichen Mann
geschwängert, sondern von einem höheren Geist
(z.B. die Jungfrau Maria)" (Brigitte Hamann, Die 12
Archetypen). Die bekannteste Jungfrau-Göttin ist Persephone,
auch Kore, das Mädchen, genannt. Sie ist die Göttin
des Frühlings und die Tochter der Fruchtbarkeits- und
Erntegöttin Demeter. Persephone ist die Mutter von
Dionysos. Persephone lebt ein halbes Jahr auf der Erde bei
ihrer Mutter und das andere halbe Jahr in der Unterwelt.
Aber um vollständig zu sein, musste sie lernen auch
den anderen Teil, der den Tod umfasst, in ihr friedliches
Leben einzulassen, um alle Aspekte des Lebens zu kennen
um so ganz Frau zu sein. Das bedeutet die Sehnsucht nacht
Sicherheit, Unveränderlichkeit, Harmonie und Liebe
aufzugeben und zu erkennen, dass das Leben auch den Hades
mit einschließt. Diese Schritte sind notwendig. Es
ist dies der Weg durch das Labyrinth der Psyche, um die
eigene Stärke und das Frausein zu entdecken.
b) In Körper und Psyche
Die Persönlichkeit besteht aus unterschiedlichen
Teilen, die, wie die alten Überlieferungen sagen, beim
Mann und bei der Frau unterschiedlich gepolt sind. Aktiv
und passiv wechselt sich ab. Im Idealfall ergänzen
sich dadurch Mann und Frau und gleichen ihre gegenseitigen
Schwächen durch ihre Stärken aus.
Bereich |
weiblich |
männlich |
Auswirkung
auf die Frau |
Verstand |
+ |
- |
durchführend, bewahrt Ideen, befruchtend (Muse) |
Gefühl |
- |
+ |
instabil, sensibel, von Gefühlen dominiert |
energetisch |
+ |
- |
ausdauernd, "ständig was tun", stabil,
energetisch ausdauernd |
physisch |
- |
+ |
gebiert, gibt Form, physisch schwächer als der
Mann |
Was bedeutet nun diese Polung für
die Frau in der Erziehung zur Kriegerin?
Die Frau muss im Umgang mit ihrem physischen Körper
lernen, einerseits ihn zu beherrschen, zu fordern, zu trainieren
um die Instabilität auszugleichen. Andererseits zu
akzeptieren, dass sie in diesem Fall von Natur aus, was
die körperliche Kraft betrifft, das schwächere
Geschlecht ist. Außerdem: "Die gymnastischen
Übungen und ihre Anstrengungen nimmt er (der Wächter,
der männlich oder weiblich sein kann, Anm.) auf sich,
weil er mehr auf die Erweckung des Mutes in seiner Seele
sieht als auf die bloße Kraft." (Platon, Der
Staat, 3. Buch S 195).
Im energetischen Bereich muss die Frau lernen, ihre Grenzen
zu versetzten, und zwar weiter nach außen. Sie muss
lernen, diese Energie nicht in ineffizientem Tun zu vergeuden,
sondern gezielt einzusetzen. Dieses Prinzip entspricht der
Bachblüte Cerato. "Der Cerato-Typ konzentriert
sich zuviel auf Details im Leben ... Häufig verpassen
sie ihre Gelegenheit, weil sie sich von geringen Dingen
ablenken lassen ... diese Menschengruppe stellt die Opfer
für die Egoisten und Zerstörer dar." (vgl.
Edward Bach, Gesammelte Werke, S 208).
Der Gefühlsbereich ist wohl die Achillesferse der Frau.
Hier muss sie in sich den größten Kampf austragen.
Viele Ursachen für die Schwächen der Frau liegen
im schlecht „erzogenen“ Gefühlsbereich.
Es bedarf hier einer gezielten und umfangreichen Schulung.
Denn die Frau denkt mit ihrem Gefühl. Deshalb muss
sie lernen, richtig zu fühlen, schlechte Gefühle
zu ersetzen, mit einem Wort, die psychische Instabilität
in den Griff zu bekommen. "Der Weise kann zittern,
Schmerz empfinden und erbleichen, denn das sind Empfindungen
des vernunftlosen Teils seines Wesens, des Körpers.
Wo also ist das wahre Übel? Es ist dass, wo die Empfindungen
des Körpers den Geist nieder ziehen ... der Weise überwindet
das Übel durch die Tugend der Gelassenheit." (K.O.
Schmidt, Seneca, S 70 ff). Oder wie Krishna Ardjuna in der
Bhagavadgita erklärt: "Wer gleich sich bleibt
zu jeder Frist, der reift für die Unsterblichkeit.
Im Bereich des Verstands besitzt die Frau die Fähigkeit,
Gedanken zu manifestieren. Nur muss sie hier lernen es mit
Logik zu tun, nicht mit Gefühl. "Dir obliegt es
recht zu denken und zu handeln. Deine Aufgabe ist es du
selbst zu sein und dem Smaragd zu gleichen, der seine Farbe
behält, einerlei, wie er bewertet, wofür er gehalten
wird und was mit ihm geschieht ... der Geist wächst
aus sich selbst ... so liegt, was dich besser und stärker
machen kann in dir ... wer richtig denken gelernt hat, kann
allem standhalten. (vgl. K.G. Schmidt, Seneca S 40 ff).
Knaben wachsen mit Logikspielen auf, für Frauen sind
diese Spiele wenig reizvoll. Frauen müssen erst ihre
Liebe zu Strategie, Taktik und Logik entdecken und lernen,
die Logik mit ihren Mitteln anzuwenden.
Diese vier Punkte liefern bereits Ansätze für
die Erziehung der Frau zur Kriegerin. Doch wohin will man
mit der Erziehung? Schließlich soll die Kriegerin
ja keine weibliche Ausgabe von Rambo sein, sondern eine
Frau, die, wenn auch Kriegerin, dem Idealbild einer Dame
entspricht.
Die ideale Kriegerin als ideale
Dame
Wenden wir uns nun dem klassischen Bild der Dame zu. Während
der Ritter in die Schlacht zog, dort sein Schicksal erfüllte,
wartete seine Dame auf den Ausgang der Schlacht und die
Rückkehr ihres Ritters. Dieses Warten bedarf aber aller
Tugenden einer Dame, wie sie traditionellerweise in den
Idealen der Dame festgehalten sind:
- Sich als Verkörperung der Liebe
wiederzuerkennen, mit ihren Eigenschaften der Großzügigkeit,
der Unschuld, der Barmherzigkeit, der Schönheit und
der Lieblichkeit.
Dieses Ideal in Krisenzeiten aufrecht zu erhalten bedarf
einer großen inneren Stärke. Sich nicht vom gefühlsmäßigen
Tief hinunterziehen zu lassen, sondern diese Eigenschaften
der Großzügigkeit, der Unschuld, der Barmherzigkeit,
der Schönheit und der Lieblichkeit zu leben und den
anderen zu vermitteln bedeutet, gelernt zu haben, mit der
Angst, der Sehnsucht, der Einsamkeit und dem Schmerz umzugehen.
- Sich einer pädagogischen Arbeit zu widmen im Dienste
der Erziehung der Kinder und Jüngsten.
Die Dame hatte sich um die Erziehung der Kinder zu kümmern,
und durch ihr Vorbild gab es auch die Möglichkeit,
dass sie die Jüngeren prägte. In ihren Händen
lag es, die Moral aufrecht zu halten, Hoffnung zu geben
und den Alltag zu meistern.
- Die Frau als Objekt abzulehnen und die Frau als Ideal
zu suchen.
- Die Neigung zu psychologischen Unbeständigkeit und
Zerbrechlichkeit zu überwinden, indem man seine Gefühle
und Verhaltensweisen diszipliniert.
Einer der Schlüssel zur Stärke der Frau. Dieses
Ideal verwirklicht zu haben, ermöglicht es der Frau
überhaupt erst, die anderen Punkte des Ideals zu leben.
Denn sonst sind diese Ideale nur sporadisch vorhanden und
nicht authentisch. Hier liegt auch die Kraft für die
Kriegerin. Ohne diesen Punkt wird die Frau im Krieg - egal
ob äußerer oder innerer - immer verlieren. Doch
dazu später.
- Die klassischen Formen der Musik, der Lyrik und des Tanzes
zu lieben und zu fördern, um die Welt und sich selbst
zu verschönern.
- Nicht nur den ästhetischen Aspekt des Körpers
zu pflegen, sondern auch den ethischen der Seele. Zu verstehen,
dass jede Schönheit und Harmonie ihren Ursprung
und ihre Funktion im Geistigen haben.
Durch die Übung dieser Tugenden bzw.
durch den ständigen Versuch, sie zu leben, kann die
Frau in sich ihre innere Stärke entwickeln, ihr Zentrum
finden und aus diesem heraus handeln.
Erst wenn eine Frau zur Dame wurde, dann kann sie eine Kriegerin
werden.
Die Erziehung der Wächter
bei Platon
Platon schreibt in seinem 2. Buch, 15.
Strophe darüber, was ein Wachhund von einem Wächter
unterscheidet bzw. was sie gemeinsam haben. So beschreibt
er als Eigenschaften: Wachsamkeit, behände im Verfolgen,
kräftig genug, um nach dem Zupacken auch zu kämpfen.
Darüber hinaus bedarf es eines mutvollen Herzens. Weiters
soll ein Wächter gegen die eigenen Leute verträglich
sein. Zusammenfassend also ein sanft-verträgliches
Gemüt mit mutvollem Herzen und philosophischer Natur.
Außerdem lernfreudig und wissensliebend. Um das zu
erreichen, ist eine entsprechende Erziehung notwendig. Die
Erziehung zum Wächter hat bei Platon folgende Inhalte:
a) Musische Erziehung
Sie beginnt mit den allerbesten Märchen für die
Kinder. Zucht und Anstand müssen vor allem bei den
ersten Märchen, die das Kind hört gewahrt bleiben.
Die Götter und Heroen sind gut darzustellen. Außerdem
wird das Kind durch Musik erzogen. (vgl. Platon, Der Staat,
3. Buch, Strophe 13 - 18)
b) charakterliche Erziehung
Entwicklung der Standhaftigkeit, der Sanftmut, der Aufrichtigkeit,
der Bescheidenheit, Besonnenheit, Tapferkeit u.v.m.
c) Gymnastik und Vermittlung des Wissens.
Training des Körpers und des Geistes. Denn "Wer
ich nur der Gymnastik verschreibt wird über das Maß
wild. Wer sich nur geistig bildet, wird schlaffer als für
ihn gut ist. Die Wildheit nun, erwächst aus dem mutvollen
Teil der Naturanlage bei richtiger Erziehung wird dieser
tapfer, bei einer übers Maß gehenden Anspannung
hart und ungestüm." (Platon, Der Statt, 3. Buch)
"Wer also Gymnastik mit Musik am schönsten vereint
und maßvoll an die Seele heranbringt, den können
wir mit vollem Recht als den vollendet gebildeten und in
sich harmonischen Menschen bezeichnen, viel mehr als einen,
der nur die Saiten zu stimmen weiß." (Platon,
Der Staat, 3. Buch)
All diese Möglichkeiten stehen auch
Frauen offen, denn im 5. Buch schreibt Platon, dass es durchaus
möglich sei, eine Frau zur Wächterin auszubilden.
Sie erhält die gleiche Erziehung wie der Mann, wird
teilhaben am Krieg, erfüllt die gleichen Aufgaben wie
der Wächter, wenn auch ihrem Wesen gemäß.
(vgl. Platon, Der Staat, 5. Buch).
Die Erziehung zur Kriegerin im
20. Jahrhundert
Die Erziehung beginnt wie bei Platon mit den richtigen Märchen.
Man muss Mädchen und Frauen Märchen vorlesen,
in denen die Frauen sich heldenhaft verhalten. "Heute
wachsen Mädchen mit Geschichten auf, in denen Prinzessinnen
immer nur wachgeküsst oder von sonstwie vorbeireitenden
Prinzen gerettet werden. Aber es gibt in den Märchen
aller Völker zahlreiche Geschichten von starken, klugen,
mutigen und einfallsreichen Frauen. In diesen Märchen
von starken Frauen, werden sie selbstbewusst und unerschrocken
dargestellt. Sie warten nicht auf den Prinzen, sondern nehmen
ihr Schicksal selbst in die Hand." (Märchen von
starken Frauen, herausgegeben von Monika Kühn, S 3).
Diese Geschichten geben der Frau eine andere Vision, eine
andere Möglichkeit an das Leben heranzugehen. Nicht
passiv sondern aktiv.
Durch eine gymnastische Erziehung überwindet die Frau
ihre Trägheit, lernt ihren Körper zu fordern und
ihre Kräfte richtig einzusetzen. Durch die Regelmäßigkeit
eines Trainings zum Beispiel ist die Frau gezwungen, ihre
zyklische Niedergeschlagenheit und astralen Krisen, die
sich in "Unlust" ausdrücken, zu überwinden.
Die Erziehung des Charakters ermöglicht es der Frau,
mit ihren weiblich bedingten Eigenschaften umzugehen, sie
zu benennen und so in den Griff zu bekommen. Weiters erhält
die Frau dadurch die Chance, ihre positiven Aspekte richtig
zu kanalisieren und ihre Schwächen in Stärken
zu transformieren.
Schließlich gewinnt sie durch den Erwerb von Wissen
Selbstsicherheit und kann sich in der Außenwelt besser
behaupten. Eine Frau mit einer breitgefächerten Allgemeinbildung,
die außerdem tagesaktuell informiert ist, kann für
die männliche Welt logisch und fundiert argumentieren.
Sie ist dann nicht nur auf ihr Gefühl angewiesen, sondern
hat die Unterscheidungskraft entwickelt, wann es auf den
Einsatz von Logik und wann von Gefühl ankommt.
Die Erziehung der Frau muss beim kleinen Mädchen beginnen,
das die Frau von der Seite der Dame kennen lernt. Die kleinen
Mädchen brauchen bereits Vorbilder, die ihnen den Weg
der Kriegerin zeigen. Es muss nur berücksichtigt werden,
dass bereits Platon festhielt, dass nicht jede(r) für
den Weg des Kriegers geeignet ist. Deshalb muss auch heute
darauf Rücksicht genommen werden, dass nicht jede Frau
die Eigenschaften einer Kriegerin mit bringt, wohl aber
das Bewusstsein des Sich-Wehren-Könnens haben sollte.
Bei der Erziehung der Frau zur Kriegerin muss trotz aller
Gleichbehandlung darauf nicht vergessen werden, dass es
sich um eine Frau handelt, die erst auf dem Weg zur Kriegerin
ist.
Zusammenfassung
Um aus der Frau des 20. Jahrhunderts eine Kriegerin zu machen,
bedarf es einer konsequenten Erziehung. Die Frau muss sich
zu Beginn klar werden, was sie will, wohin sie will. Sie
muss ihr Selbstwertgefühl entwickeln und daraus auch
die Notwendigkeit des Sich-Wehren-Könnens erkennen.
Die tatsächliche Ausübung der Kriegkünste
bildet den Abschluss, dem eine umfangreiche Erziehung und
Disziplinierung vorangegangen sein muss. Die Frau soll über
ihre Schwächen und die Mechanismen die zu den Tiefs
führen, aufgeklärt werden, um dann Schritt für
Schritt an sich arbeiten zu können. So ist es möglich,
aus einer gewöhnlichen Frau eine Dame zu machen. An
erster Stelle steht die Reinigung des Gedankenbildes durch
Märchen und Mythen. Dann folgt die tägliche Arbeit,
um die Ideale der Dame umzusetzen und so den Charakter zu
bilden. Für das Training des Körpers muss ein
Rhythmus gefunden werden, denn regelmäßige Einheiten
erleichtern das Überwinden der Zyklen, die der Frau
ein ständiges Auf und Ab verursachen. Der Frau muss
die Angst vor dem Schmerz genommen werden. Die physische
Konstitution erlaubt es der Frau, enorme Schmerzen zu ertragen.
Das zeigt sich an den natürlichen Mechanismen, die
einsetzen um etwa den Schmerz einer Geburt zu ertragen.
Es sollte ihr verständlich gemacht werden, dass sie
zu mehr in der Lage ist, als sie glaubt.
Ein weiterer wichtiger Punkt ist, die Mechanismen des Geliebt-Werden-Wollens
zu erkennen und daran zu arbeiten. Eine Frau muss soweit
kommen sich selbst zu genügen, nicht auf andere angewiesen
zu sein. Sie muss für die Frau wohl schmerzlichste
Erkenntnis aus dem Weg des Kriegers ziehen und für
sich anwenden: Der einzige Feind den man hat, der sitzt
in einem selbst. Der einzige Freund den man hat, ist man
selbst. Diese Erkenntnis muss jedoch so zu kanalisieren
werden, dass die Aspekte der Liebe nicht zu kurz kommen.
Das ist eine Herausforderung und Lebensaufgabe.
Um eine wirkungsvolle Kriegerin zu sein, ist es notwendig
die männliche Welt zu kennen. Dazu empfiehlt es sich,
in die männliche Kommunikation einzutauchen, sie zu
verstehen, zu erlernen, und sich generell in die Welt des
Mannes hineinversetzen zu können. Nicht um männlich
zu werden, sondern um die weiblichen Strategien zielführend
anwenden zu können. Nur wer den Gegner kennt, seine
Mimik und Gestik und seine Worte versteht, kann dementsprechend
handeln und ist nicht gezwungen, zu reagieren. Die Kriegerin
des 20. Jahrhunderts ist keine weibliche Form des Rambos
sondern beherrscht die vier Elemente, verkörpert die
Liebe in ihrer höchsten Form, trägt stolz die
Schönheit und weiß zu sterben. Mit einem Wort
sie geht den Weg der Kriegerin, der auf der einen Seite
der des Kriegers ist auf der anderen doch ganz anders. Eben
weiblich.
Bibliographie
1) Platon, Der Staat
2) Brigitte Hamann, Die 12 Archetypen
3) Monika Kühn, Märchen von starken Frauen
4) K.O. Schmidth, Seneca - Der Lebenskünstler
5) Bhagavadgita
6) Dr. Edward Bach, Gesammelte Werke
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