Die Erziehung der Frau zur Kriegerin

von Alexandra Koncar

Einleitung

Viele Mythen erzählen die Geschichte der mutigen Kriegerin, die sich an der Seite der Männer oder auch alleine ihrem Schicksal im Kampf stellt. Die Frau als Kriegerin, nur ein Mythos aus einer fernen Zeit, oder durchaus ein Weg zur Entfaltung der inneren Fähigkeiten der Frau? Wie dieser Weg der Kriegerin aussehen könnte, vor allem wie die Erziehung gestaltet sein könnte, um die Tugenden einer Kriegerin zu entwickeln, das soll hier angedacht werden.

Ausgangssituation

Zuerst betrachten wir den "IST-Zustand". Wie ist sie nun, die Frau des 20. Jahrhunderts? Welche Eigenschaften trägt sie nach außen und welches Weltbild im Herzen? Die Emanzipation hat auf dem Papier die Frau mit dem Mann gleichgestellt. Es gibt neben dem Gleichheitsgrundsatz, der in den Menschenrechten verankert ist, in Österreich eine Quotenregelung, die Frauen am Arbeitsplatz die Gleichbehandlung sichern soll. Die Frau sieht sich durch diese im Vergleich zum vorigen Jahrhundert gewonnene Freiheit jedoch im Zwiespalt. Einerseits trägt sich die Sehnsucht der Mutterschaft, des Heimes und der Familie tief in ihrem Herzen, auf der anderen Seite steht der Reiz, sich in der Männerwelt zu behaupten. Manchmal sogar der Wunsch"es ihnen zu zeigen". Dieser Zwiespalt lässt so manche Frau zwischen Küche und Chefetage hin und her hetzen. Ein Philosoph drückte es so aus: "...Frauen wehren sich dagegen, die Papiere des Vaters in Ordnung zu halten, tun dies aber für ihren Chef... Frauen haben Probleme, zu Hause für ihre Familie zu kochen, tun dies aber im Restaurant für unzählige, die sie gar nicht kennen..." Wer bei diesem Zwiespalt auf der Strecke bleibt ist neben den Kindern und dem Partner die Frau selbst. Wenigen Frauen bleibt die Zeit sich mit sich selbst auseinanderzusetzen. Herauszufinden welche Stärken, welche Schwächen sie hat, und welches ihr wahres Wesen ist. Viele Frauen trachten danach, die Bilder, die die Außenwelt erzeugt, um jeden Preis zu erfüllen. Doch diese Problematik der neuen Gesellschaftsordnung ist zu weitläufig, um sie hier ausführlich zu behandeln. Sehen wir uns das Bild der Frau in einem sehr meinungsprägenden Medium an, im Spielfilm: In unzähligen Unterhaltungsfilmen wird die Frau als wehrlos dargestellt. Nie hat eine Frau eine Chance sich zu wehren, tut sie es doch, dann ineffizient. Frauen hindern den Helden bei der Erfüllung seiner Aufgabe. Frauen sind die Ursache für unzählige Komplikationen.
Nur wenige Filme zeigen die Frau als Kriegerin. In den letzen Jahrzehnten sind als Kinoerfolge nur "Terminator 2" sowie "Blue Steel" zu nennen. Hier sind die Frauen mutig, agieren mit Intelligenz und ohne Furcht vor dem Tod, nur das Schicksal erfüllend. Der Film "Mit den Waffen der Frau", zeigt die Verwandlung einer durchschnittlichen Vorzimmerdame mit schlechten Gewohnheiten und wenig Selbstvertrauen, in eine klassische Dame mit Know-how und Durchsetzungskraft. Sie schafft es am Ende des Films sogar in die Chefetage. Betrachtet man die Werbeplakate und Werbespots, liest man auch noch diverse Zeitschriften, zeigt sich das allgemein verbreitete Bild der Frau des 20. Jahrhunderts. Frauen sind hier Objekte, die als Aufputz dazu dienen, etwas an den Konsumenten zu bringen, Gefühle und Bedürfnisse zu erzeugen. Ideale für Frauen werden hier kaum verkauft bzw. vermittelt. Die Frau im 20. Jahrhundert ist eine Mixtur aus den verschiedensten Elementen: Lustobjekt, Hausfrau, Karrierefrau. Was bleibt, ist der Zwiespalt zwischen Tradition und den modernen Erwartungen. Dazu kommt noch die psychologische Labilität, die als solche kaum erkannt wird. Die innere Zerrissenheit führt zur Verunsicherung. Um der Frau eine neue Identität auf der Basis des Kriegerin-Seins zu geben, gilt es die Grundprinzipien der Frau zu verstehen.

Das weibliche Prinzip

a) In der Astrologie
Das Zeichen für Frau ist das Symbol der Venus. Dies ist bekanntlich ein Kreis über einem Kreuz: Der Geist steht über der Materie. Das Venusprinzip stellt eine harmonische Verbindung zwischen den verschiedenen Ebenen dar, im Symbol eine harmonische Verbindung zwischen den geistigen (Kreis) und den materiellen (Kreuz) Antrieben im Menschen. Harmonisches Vereinen der Gegensätze ist das Ziel dieses Prinzips, ein Ausgleich zwischen Männlichem und Weiblichem, innen und außen, Geistigem und Physischem. Venus regiert den Stier und die Waage. Im Stier ist die gesuchte harmonische Verbindung noch mehr instinktiver Natur, sie erfolgt über sinnliche Eindrücke. In der Waage ist die gesuchte harmonische Verbindung mehr geistig-ästhetischer Natur. Befriedigung im physischen Sinne entspricht also der Stier- Venus. Sie symbolisiert den Körper mit seinen Be¬dürfnissen nach Sicherheit, Verwurzelung und Genuss, die Waage- Venus sucht Be¬friedigung im Kontakt zu anderen Menschen. Im Symbol der Venus zeigt sich schon in einem Aspekt das Prinzip Frau. Die Sehnsucht nach Sicherheit auf der einen Seite und die Suche nach Harmonie andererseits. Diese beiden Faktoren spielen auch im Kontakt mit anderen Menschen eine Rolle. Die Ursache für diese Sehnsucht nach Sicherheit und Harmonie drückt sich im Wunsch des "Geliebt-Werden-Wollens" aus.
Das zweite Symbol der Frau finden wir in der Jungfrau. Die Jungfrau hat in ihrer ursprünglichen Bedeutung nichts mit sexueller Jungfräulichkeit zu tun. "Das Wort bezieht sich in einem Schlüssel auf eine unverheiratete Frau, d.h. auf eine Frau, die keinem Mann gehört und niemandes Ehefrau ist, sie gehört nur sich selbst. Sie ist weder der Besitz noch das Anhängsel oder die Ergänzung von irgendeinem anderen Menschen. Es gibt zahlreiche Jungfrau-Göttinnen in der Mythologie, und häufig werden sie nicht von einem sterblichen Mann geschwängert, sondern von einem höheren Geist (z.B. die Jungfrau Maria)" (Brigitte Hamann, Die 12 Archetypen). Die bekannteste Jungfrau-Göttin ist Persephone, auch Kore, das Mädchen, genannt. Sie ist die Göttin des Frühlings und die Tochter der Fruchtbarkeits- und Erntegöttin Demeter. Persephone ist die Mutter von Dionysos. Persephone lebt ein halbes Jahr auf der Erde bei ihrer Mutter und das andere halbe Jahr in der Unterwelt. Aber um vollständig zu sein, musste sie lernen auch den anderen Teil, der den Tod umfasst, in ihr friedliches Leben einzulassen, um alle Aspekte des Lebens zu kennen um so ganz Frau zu sein. Das bedeutet die Sehnsucht nacht Sicherheit, Unveränderlichkeit, Harmonie und Liebe aufzugeben und zu erkennen, dass das Leben auch den Hades mit einschließt. Diese Schritte sind notwendig. Es ist dies der Weg durch das Labyrinth der Psyche, um die eigene Stärke und das Frausein zu entdecken.

b) In Körper und Psyche
Die Persönlichkeit besteht aus unterschiedlichen Teilen, die, wie die alten Überlieferungen sagen, beim Mann und bei der Frau unterschiedlich gepolt sind. Aktiv und passiv wechselt sich ab. Im Idealfall ergänzen sich dadurch Mann und Frau und gleichen ihre gegenseitigen Schwächen durch ihre Stärken aus.

Bereich
weiblich
männlich
Auswirkung auf die Frau
Verstand
+
-
durchführend, bewahrt Ideen, befruchtend (Muse)
Gefühl
-
+
instabil, sensibel, von Gefühlen dominiert
energetisch
+
-
ausdauernd, "ständig was tun", stabil, energetisch ausdauernd
physisch
-
+
gebiert, gibt Form, physisch schwächer als der Mann

Was bedeutet nun diese Polung für die Frau in der Erziehung zur Kriegerin?
Die Frau muss im Umgang mit ihrem physischen Körper lernen, einerseits ihn zu beherrschen, zu fordern, zu trainieren um die Instabilität auszugleichen. Andererseits zu akzeptieren, dass sie in diesem Fall von Natur aus, was die körperliche Kraft betrifft, das schwächere Geschlecht ist. Außerdem: "Die gymnastischen Übungen und ihre Anstrengungen nimmt er (der Wächter, der männlich oder weiblich sein kann, Anm.) auf sich, weil er mehr auf die Erweckung des Mutes in seiner Seele sieht als auf die bloße Kraft." (Platon, Der Staat, 3. Buch S 195).
Im energetischen Bereich muss die Frau lernen, ihre Grenzen zu versetzten, und zwar weiter nach außen. Sie muss lernen, diese Energie nicht in ineffizientem Tun zu vergeuden, sondern gezielt einzusetzen. Dieses Prinzip entspricht der Bachblüte Cerato. "Der Cerato-Typ konzentriert sich zuviel auf Details im Leben ... Häufig verpassen sie ihre Gelegenheit, weil sie sich von geringen Dingen ablenken lassen ... diese Menschengruppe stellt die Opfer für die Egoisten und Zerstörer dar." (vgl. Edward Bach, Gesammelte Werke, S 208).
Der Gefühlsbereich ist wohl die Achillesferse der Frau. Hier muss sie in sich den größten Kampf austragen. Viele Ursachen für die Schwächen der Frau liegen im schlecht „erzogenen“ Gefühlsbereich. Es bedarf hier einer gezielten und umfangreichen Schulung. Denn die Frau denkt mit ihrem Gefühl. Deshalb muss sie lernen, richtig zu fühlen, schlechte Gefühle zu ersetzen, mit einem Wort, die psychische Instabilität in den Griff zu bekommen. "Der Weise kann zittern, Schmerz empfinden und erbleichen, denn das sind Empfindungen des vernunftlosen Teils seines Wesens, des Körpers. Wo also ist das wahre Übel? Es ist dass, wo die Empfindungen des Körpers den Geist nieder ziehen ... der Weise überwindet das Übel durch die Tugend der Gelassenheit." (K.O. Schmidt, Seneca, S 70 ff). Oder wie Krishna Ardjuna in der Bhagavadgita erklärt: "Wer gleich sich bleibt zu jeder Frist, der reift für die Unsterblichkeit.
Im Bereich des Verstands besitzt die Frau die Fähigkeit, Gedanken zu manifestieren. Nur muss sie hier lernen es mit Logik zu tun, nicht mit Gefühl. "Dir obliegt es recht zu denken und zu handeln. Deine Aufgabe ist es du selbst zu sein und dem Smaragd zu gleichen, der seine Farbe behält, einerlei, wie er bewertet, wofür er gehalten wird und was mit ihm geschieht ... der Geist wächst aus sich selbst ... so liegt, was dich besser und stärker machen kann in dir ... wer richtig denken gelernt hat, kann allem standhalten. (vgl. K.G. Schmidt, Seneca S 40 ff). Knaben wachsen mit Logikspielen auf, für Frauen sind diese Spiele wenig reizvoll. Frauen müssen erst ihre Liebe zu Strategie, Taktik und Logik entdecken und lernen, die Logik mit ihren Mitteln anzuwenden.
Diese vier Punkte liefern bereits Ansätze für die Erziehung der Frau zur Kriegerin. Doch wohin will man mit der Erziehung? Schließlich soll die Kriegerin ja keine weibliche Ausgabe von Rambo sein, sondern eine Frau, die, wenn auch Kriegerin, dem Idealbild einer Dame entspricht.

Die ideale Kriegerin als ideale Dame

Wenden wir uns nun dem klassischen Bild der Dame zu. Während der Ritter in die Schlacht zog, dort sein Schicksal erfüllte, wartete seine Dame auf den Ausgang der Schlacht und die Rückkehr ihres Ritters. Dieses Warten bedarf aber aller Tugenden einer Dame, wie sie traditionellerweise in den Idealen der Dame festgehalten sind:

- Sich als Verkörperung der Liebe wiederzuerkennen, mit ihren Eigenschaften der Großzügigkeit, der Unschuld, der Barmherzigkeit, der Schönheit und der Lieblichkeit.
Dieses Ideal in Krisenzeiten aufrecht zu erhalten bedarf einer großen inneren Stärke. Sich nicht vom gefühlsmäßigen Tief hinunterziehen zu lassen, sondern diese Eigenschaften der Großzügigkeit, der Unschuld, der Barmherzigkeit, der Schönheit und der Lieblichkeit zu leben und den anderen zu vermitteln bedeutet, gelernt zu haben, mit der Angst, der Sehnsucht, der Einsamkeit und dem Schmerz umzugehen.
- Sich einer pädagogischen Arbeit zu widmen im Dienste der Erziehung der Kinder und Jüngsten.
Die Dame hatte sich um die Erziehung der Kinder zu kümmern, und durch ihr Vorbild gab es auch die Möglichkeit, dass sie die Jüngeren prägte. In ihren Händen lag es, die Moral aufrecht zu halten, Hoffnung zu geben und den Alltag zu meistern.
- Die Frau als Objekt abzulehnen und die Frau als Ideal zu suchen.
- Die Neigung zu psychologischen Unbeständigkeit und Zerbrechlichkeit zu überwinden, indem man seine Gefühle und Verhaltensweisen diszipliniert.
Einer der Schlüssel zur Stärke der Frau. Dieses Ideal verwirklicht zu haben, ermöglicht es der Frau überhaupt erst, die anderen Punkte des Ideals zu leben. Denn sonst sind diese Ideale nur sporadisch vorhanden und nicht authentisch. Hier liegt auch die Kraft für die Kriegerin. Ohne diesen Punkt wird die Frau im Krieg - egal ob äußerer oder innerer - immer verlieren. Doch dazu später.
- Die klassischen Formen der Musik, der Lyrik und des Tanzes zu lieben und zu fördern, um die Welt und sich selbst zu verschönern.
- Nicht nur den ästhetischen Aspekt des Körpers zu pflegen, sondern auch den ethischen der Seele. Zu verstehen, dass jede Schönheit und Harmonie ihren Ursprung und ihre Funktion im Geistigen haben.

Durch die Übung dieser Tugenden bzw. durch den ständigen Versuch, sie zu leben, kann die Frau in sich ihre innere Stärke entwickeln, ihr Zentrum finden und aus diesem heraus handeln.
Erst wenn eine Frau zur Dame wurde, dann kann sie eine Kriegerin werden.

Die Erziehung der Wächter bei Platon

Platon schreibt in seinem 2. Buch, 15. Strophe darüber, was ein Wachhund von einem Wächter unterscheidet bzw. was sie gemeinsam haben. So beschreibt er als Eigenschaften: Wachsamkeit, behände im Verfolgen, kräftig genug, um nach dem Zupacken auch zu kämpfen. Darüber hinaus bedarf es eines mutvollen Herzens. Weiters soll ein Wächter gegen die eigenen Leute verträglich sein. Zusammenfassend also ein sanft-verträgliches Gemüt mit mutvollem Herzen und philosophischer Natur. Außerdem lernfreudig und wissensliebend. Um das zu erreichen, ist eine entsprechende Erziehung notwendig. Die Erziehung zum Wächter hat bei Platon folgende Inhalte:

a) Musische Erziehung
Sie beginnt mit den allerbesten Märchen für die Kinder. Zucht und Anstand müssen vor allem bei den ersten Märchen, die das Kind hört gewahrt bleiben. Die Götter und Heroen sind gut darzustellen. Außerdem wird das Kind durch Musik erzogen. (vgl. Platon, Der Staat, 3. Buch, Strophe 13 - 18)
b) charakterliche Erziehung
Entwicklung der Standhaftigkeit, der Sanftmut, der Aufrichtigkeit, der Bescheidenheit, Besonnenheit, Tapferkeit u.v.m.

c) Gymnastik und Vermittlung des Wissens.
Training des Körpers und des Geistes. Denn "Wer ich nur der Gymnastik verschreibt wird über das Maß wild. Wer sich nur geistig bildet, wird schlaffer als für ihn gut ist. Die Wildheit nun, erwächst aus dem mutvollen Teil der Naturanlage bei richtiger Erziehung wird dieser tapfer, bei einer übers Maß gehenden Anspannung hart und ungestüm." (Platon, Der Statt, 3. Buch)
"Wer also Gymnastik mit Musik am schönsten vereint und maßvoll an die Seele heranbringt, den können wir mit vollem Recht als den vollendet gebildeten und in sich harmonischen Menschen bezeichnen, viel mehr als einen, der nur die Saiten zu stimmen weiß." (Platon, Der Staat, 3. Buch)

All diese Möglichkeiten stehen auch Frauen offen, denn im 5. Buch schreibt Platon, dass es durchaus möglich sei, eine Frau zur Wächterin auszubilden. Sie erhält die gleiche Erziehung wie der Mann, wird teilhaben am Krieg, erfüllt die gleichen Aufgaben wie der Wächter, wenn auch ihrem Wesen gemäß. (vgl. Platon, Der Staat, 5. Buch).

Die Erziehung zur Kriegerin im 20. Jahrhundert

Die Erziehung beginnt wie bei Platon mit den richtigen Märchen. Man muss Mädchen und Frauen Märchen vorlesen, in denen die Frauen sich heldenhaft verhalten. "Heute wachsen Mädchen mit Geschichten auf, in denen Prinzessinnen immer nur wachgeküsst oder von sonstwie vorbeireitenden Prinzen gerettet werden. Aber es gibt in den Märchen aller Völker zahlreiche Geschichten von starken, klugen, mutigen und einfallsreichen Frauen. In diesen Märchen von starken Frauen, werden sie selbstbewusst und unerschrocken dargestellt. Sie warten nicht auf den Prinzen, sondern nehmen ihr Schicksal selbst in die Hand." (Märchen von starken Frauen, herausgegeben von Monika Kühn, S 3). Diese Geschichten geben der Frau eine andere Vision, eine andere Möglichkeit an das Leben heranzugehen. Nicht passiv sondern aktiv.
Durch eine gymnastische Erziehung überwindet die Frau ihre Trägheit, lernt ihren Körper zu fordern und ihre Kräfte richtig einzusetzen. Durch die Regelmäßigkeit eines Trainings zum Beispiel ist die Frau gezwungen, ihre zyklische Niedergeschlagenheit und astralen Krisen, die sich in "Unlust" ausdrücken, zu überwinden.
Die Erziehung des Charakters ermöglicht es der Frau, mit ihren weiblich bedingten Eigenschaften umzugehen, sie zu benennen und so in den Griff zu bekommen. Weiters erhält die Frau dadurch die Chance, ihre positiven Aspekte richtig zu kanalisieren und ihre Schwächen in Stärken zu transformieren.
Schließlich gewinnt sie durch den Erwerb von Wissen Selbstsicherheit und kann sich in der Außenwelt besser behaupten. Eine Frau mit einer breitgefächerten Allgemeinbildung, die außerdem tagesaktuell informiert ist, kann für die männliche Welt logisch und fundiert argumentieren. Sie ist dann nicht nur auf ihr Gefühl angewiesen, sondern hat die Unterscheidungskraft entwickelt, wann es auf den Einsatz von Logik und wann von Gefühl ankommt.
Die Erziehung der Frau muss beim kleinen Mädchen beginnen, das die Frau von der Seite der Dame kennen lernt. Die kleinen Mädchen brauchen bereits Vorbilder, die ihnen den Weg der Kriegerin zeigen. Es muss nur berücksichtigt werden, dass bereits Platon festhielt, dass nicht jede(r) für den Weg des Kriegers geeignet ist. Deshalb muss auch heute darauf Rücksicht genommen werden, dass nicht jede Frau die Eigenschaften einer Kriegerin mit bringt, wohl aber das Bewusstsein des Sich-Wehren-Könnens haben sollte. Bei der Erziehung der Frau zur Kriegerin muss trotz aller Gleichbehandlung darauf nicht vergessen werden, dass es sich um eine Frau handelt, die erst auf dem Weg zur Kriegerin ist.


Zusammenfassung

Um aus der Frau des 20. Jahrhunderts eine Kriegerin zu machen, bedarf es einer konsequenten Erziehung. Die Frau muss sich zu Beginn klar werden, was sie will, wohin sie will. Sie muss ihr Selbstwertgefühl entwickeln und daraus auch die Notwendigkeit des Sich-Wehren-Könnens erkennen. Die tatsächliche Ausübung der Kriegkünste bildet den Abschluss, dem eine umfangreiche Erziehung und Disziplinierung vorangegangen sein muss. Die Frau soll über ihre Schwächen und die Mechanismen die zu den Tiefs führen, aufgeklärt werden, um dann Schritt für Schritt an sich arbeiten zu können. So ist es möglich, aus einer gewöhnlichen Frau eine Dame zu machen. An erster Stelle steht die Reinigung des Gedankenbildes durch Märchen und Mythen. Dann folgt die tägliche Arbeit, um die Ideale der Dame umzusetzen und so den Charakter zu bilden. Für das Training des Körpers muss ein Rhythmus gefunden werden, denn regelmäßige Einheiten erleichtern das Überwinden der Zyklen, die der Frau ein ständiges Auf und Ab verursachen. Der Frau muss die Angst vor dem Schmerz genommen werden. Die physische Konstitution erlaubt es der Frau, enorme Schmerzen zu ertragen. Das zeigt sich an den natürlichen Mechanismen, die einsetzen um etwa den Schmerz einer Geburt zu ertragen. Es sollte ihr verständlich gemacht werden, dass sie zu mehr in der Lage ist, als sie glaubt.
Ein weiterer wichtiger Punkt ist, die Mechanismen des Geliebt-Werden-Wollens zu erkennen und daran zu arbeiten. Eine Frau muss soweit kommen sich selbst zu genügen, nicht auf andere angewiesen zu sein. Sie muss für die Frau wohl schmerzlichste Erkenntnis aus dem Weg des Kriegers ziehen und für sich anwenden: Der einzige Feind den man hat, der sitzt in einem selbst. Der einzige Freund den man hat, ist man selbst. Diese Erkenntnis muss jedoch so zu kanalisieren werden, dass die Aspekte der Liebe nicht zu kurz kommen. Das ist eine Herausforderung und Lebensaufgabe.
Um eine wirkungsvolle Kriegerin zu sein, ist es notwendig die männliche Welt zu kennen. Dazu empfiehlt es sich, in die männliche Kommunikation einzutauchen, sie zu verstehen, zu erlernen, und sich generell in die Welt des Mannes hineinversetzen zu können. Nicht um männlich zu werden, sondern um die weiblichen Strategien zielführend anwenden zu können. Nur wer den Gegner kennt, seine Mimik und Gestik und seine Worte versteht, kann dementsprechend handeln und ist nicht gezwungen, zu reagieren. Die Kriegerin des 20. Jahrhunderts ist keine weibliche Form des Rambos sondern beherrscht die vier Elemente, verkörpert die Liebe in ihrer höchsten Form, trägt stolz die Schönheit und weiß zu sterben. Mit einem Wort sie geht den Weg der Kriegerin, der auf der einen Seite der des Kriegers ist auf der anderen doch ganz anders. Eben weiblich.


Bibliographie

1) Platon, Der Staat
2) Brigitte Hamann, Die 12 Archetypen
3) Monika Kühn, Märchen von starken Frauen
4) K.O. Schmidth, Seneca - Der Lebenskünstler
5) Bhagavadgita
6) Dr. Edward Bach, Gesammelte Werke